Interview Runde 4

Konrad Pitz

 

1. Hallo Konrad, bitte stell dich kurz vor!

 

Ich heiße Konrad Pitz, ich bin 13 Jahre alt, besuche zurzeit die MLS, gehe in die siebte Klasse und beschäftige mich in meiner Freizeit gerne mit Hühnern.

 

 

2. Ja, Hühner bzw. Eier sind auch unser Thema heute – nun kann ich mir vorstellen, dass es für Jugendliche coolere Sachen gibt als „Hühnermobil“. Wie bist Du darauf gekommen?

 

Mein Vater hat einen landwirtschaftlichen Betrieb mit verschiedenen Tieren und es war für mich schon immer klar, dass ich auch welche haben möchte. Zunächst bekam ich 20 Hühner geschenkt und als meine Eltern gesehen haben, dass ich alles ganz gut - um die Hühnerhaltung herum – erledige und dass ich richtig Spaß dabei habe, haben wir uns dazu entschlossen, ein Hühnermobil zu kaufen. Und jetzt habe ich 370 Hühner!

 

 

3. Macht das viel Arbeit? Was musst Du erledigen? Ist das nicht anstrengend?

 

Es geht. Ich muss jeden Tag über den Hühnerbestand schauen, ob alles mit den Hennen in Ordnung ist, ob eins nicht erkrankt ist. Ich gucke natürlich nach Eiern, die ich dann sortiere. Die Eier werden zuerst durchleuchtet, ob sie keinen Riss haben oder nicht blutig sind und kommen dann in eine Kiste. Dafür brauche ich durchschnittlich pro Tag anderthalb Stunden.

Am Wochenende kriegen dann die Hühner Futter und Wasser - das ist sehr wichtig, dass die Hennen immer frisches Trinkwasser und genug Futter haben. Wir haben im Hühnermobil ein praktisches Kotband, das ich dann von außen jede Woche entmiste. Regelmäßiges Misten des Bodens muss auch sein – das sorgt für mehr Hygiene und gute Luft im Stall. Für diese Arbeiten brauche ich dann schon 4 bis 5 Stunden. Es ist schon anstrengend, sogar sehr und das Misten ist nicht so toll, das ist ja klar. Aber es macht sehr viel Spaß, wenn viele Eier da sind. Es ist einfach schön, wenn Eier rauskommen, denn das bedeutet auch, dass die Hühner gesund sind.

 

4. Was ist die größte Herausforderung? Was muss man bei den Hühnern beachten?

 

Die größte Herausforderung ist die Tiere am Leben (und gesund) zu erhalten. Die Hühner sind schon sehr speziell, wenn z.B. der Strom ausfällt und sie nicht genug Licht bekommen oder die Hennen zu wenig Wasser haben, dann mausern sie: sie verlieren zahlreiche Federn und auch die Legeleistung geht zurück. Das ist nicht wirtschaftlich. Deswegen ist es schon auch aufwendig, immer nachzuschauen, ob sie alles haben.

 

 

5. Ja, und wenn der Strom plötzlich ausfällt und Du kriegst das nicht mit, was passiert dann?

 

Es passiert Folgendes: ich bekomme eine sms auf mein Handy und kann sofort reagieren. Ich kann auch meine Hühner auf dem Handy beobachten.

 

6. Gibt es etwas, was Dir besonders wichtig ist?

 

Wenn man bedenkt, dass ein Lebensmittel im Durschnitt 2500 km zurücklegt, bis es auf den Teller landet, kann man endlich darüber nachdenken, ob es wirklich Sinn macht. Über einen regionalen Einkauf können wir alle sehr viel Einfluss auf die Co2-Bilanz unseres Einkaufskorbes nehmen.  Mir ist es auch wichtig, dass ich mit meiner Arbeit einen Beitrag zur Tierwohldebatte beitragen kann. Mein Hühnermobil bietet eigentlich alles, was Hühner schätzen: eine automatische Fütterung, Sitzbereiche, abgerundete Holzstangen, Legenester, Kotband.  Sie haben eine Wiese, wo sie nach frischen Halmen und Blättern zupfen können und sie genießen viel Freiraum. Es gibt dort noch 5 Hähne, die die 370 Hennen ‚beruhigen‘. Leider hatten wir schon einen Habicht, der sich auch schon meiner Hühner bedient hat… Deswegen haben jetzt auch 2 Ziegen die Oberaufsicht und sollen ganz natürlich den Habicht abhalten. Mal schauen, ob es klappt.

Das Hühnermobil ist außerdem autark und wird mit Solarstrom betrieben, was auch gut für die Umwelt ist. Regional, nachhaltig, ökologisch, frisch und gesund – diese Kombi ist einfach perfekt.

 

 

7. Sind die Eier vom Deinen Hühnern weiß oder braun? Und warum haben sie so eine Farbe?

 

Die Eier sind braun. Die Farbe der Schale hängt mit der Farbe der Ohrscheiben zusammen. Das sind sozusagen die Ohrläppchen der Hühner. In der Regel gilt, dass Hennen mit weißen Ohrscheiben weiße Eier legen und Hennen mit rotbrauen Ohrscheiben braune Eier. Unsere Eier sind braun, mittelgroß, mit fester Schale – genau das, was sich der Verbraucher auch wünscht. Kaufen Sie weiße oder braune Eier? (Ich kaufe in der Tat auch viel lieber braune Eier und kann es nicht erklären, warum - antworte ich)

 

 

8. Isst Du eigentlich gerne Eier? Wie sind sie denn zubereitet (Lieblings-Eiergericht)? Wer bereitet das zu?  Und was ist mit den Hühnern – werden sie verarbeitet?

 

Ja, ich esse die schon ganz gerne – hartgekochte Eier überhaupt nicht, nur weichgekochte. Ich mag Omeletts – ich mache die auch manchmal selbst, aber am besten schmeckt es doch, wenn meine Mama die macht

Und die Hühner? Ja, die Hühner werden nach 18 Monaten dann wieder verkauft. Manch eins dann auch schon gegessen – damit habe ich kein Problem, das gehört zum Lauf der Dinge und ist für mich ganz normal.

 

9. Hast Du ein Lieblingshuhn?

 

Nein, eigentlich nicht… Es gibt schon vielleicht eins, was ein bisschen zutraulicher ist, aber ich mag all meine Hühner.

 

 

10. Was soll ich Dir für die Zukunft wünschen?

 

Vielleicht, dass sich die Eier gut vermarkten. So gut, dass ich mir dann noch ein Hühnermobil kaufen kann!

 

Das wünsche ich Dir selbstverständlich von ganzem Herzen, drücke Dir die Daumen und toitoitoi!

Das Gespräch begleitete Aga Sauerwald/ Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde Lahntal