Interview Runde 2

Yvonne Fischer - Gewinnerin des Fotowettbewerbs 2020

1.Frau Fischer, stellen Sie sich bitte kurz vor!

Ich heiße Yvonne Fischer, und lebe seit 2019 mit meinem Mann und unseren beiden Töchtern in Goßfelden. Vor einigen Monaten habe ich mich dazu entschieden, selbstständige Fotografin für Familien, Paare, Kinder und Geburten zu werden. Zwar erschwert mir Corona aktuell den Start, aber ich hoffe, dass ich noch diesen Sommer beginnen und meine Leidenschaft für das Einfangen besonderer Momente voll und ganz ausleben kann. Ich bin gerne kreativ und genieße unseren Garten. Zusammen mit Hündin Maya machen wir gerne lange Spaziergänge.

2.Was haben Sie gedacht, als Sie die Info erhalten haben, den Fotowettbewerb gewonnen zu haben?

Das konnte ich zuerst gar nicht glauben - den Absatz musste ich bestimmt fünf Mal lesen! Es war mein erster Fotowettbewerb und dann gleich so erfolgreich! Ich habe sofort meinen Mann angerufen und mich riesig gefreut. Möglicherweise habe ich zuhause sogar einen kleinen Freudentanz aufgeführt - dafür gibt es aber keine Beweise 😉

3.Haben Sie bereits an anderen Fotowettbewerben/ Ausstellungen teilgenommen? Gab es schon vielleicht einen Preis?

Das war mein erster Fotowettbewerb.

4.Fotografieren Sie oft? Was haben Sie für eine Ausrüstung?

Ich fotografiere sehr oft. Die Kamera ist bei Ausflügen immer an der Hand oder im Rucksack dabei. Im Lahntal gibt es so viele schöne Orte, die ich noch entdecken möchte, vor allem, da jetzt der Sommer vor der Tür steht. Besonders haben es mir die Wichtelhäuser angetan, hier plane ich sogar ein aufwändigeres Shooting. Als Ausrüstung habe ich eine Nikon Z6 mit meiner liebsten Festbrennweite (50mm) immer dabei.

5.Wie sind Sie zum Fotografieren gekommen? Was finden Sie gut an Fotografie?

Meine Leidenschaft fürs Fotografieren habe ich kurz vor dem Abitur entwickelt und mir damals meine erste Kamera gewünscht. Beim Fotografieren vergesse ich die Zeit um mich herum und genieße den Moment. Überwiegend fotografiere ich Menschen und liebe es, Augenblicke in Marmeladengläser packen, um sie später immer wieder genießen zu können. Wichtig ist es mir, Bilder drucken zu lassen, um sie entweder zu rahmen und aufzuhängen oder auf dem Boden auszubreiten und nochmal ganz entspannt zu betrachten, das nenne ich dann “Bilder-baden”, also in Bildern zu baden und alle Eindrücke wirken zu lassen.

6.Haben Sie Lieblingsmotive? Was fotografieren Sie am meisten?

Meine Lieblingsmotive sind auf jeden Fall Menschen. Unsere Kinder werden so schnell groß, deshalb versuche ich viele kleine Momente einzufangen. Aber auch sonst fotografiere ich gerne Familien, Kinder, Verliebte, Hochzeiten, Portraits, künstlerisch in der Natur mit Models und meine neueste Faszination ist die Geburtsfotografie.

7.Die Bilder, die Sie für den Fotowettbewerb gemacht haben – waren das Schnappschüsse oder eine überlegte Fotosession?

Beim Fotografieren lege ich nur die Rahmenbedingungen fest und beobachte, welche Emotionen sich zwischen den Menschen entwickeln. Und bei Kindern ist das noch so herrlich einfach, denn sie sind ganz natürlich und authentisch, voller Gefühlsexplosionen, Leben und wunderbar ehrlich.
Für das Gewinner-Bild sind meine Tochter Zelda und ich an einem sonnigen Tag im Spätherbst losgezogen, um Bilder am verblühten Sonnenblumen-Feld in der Nähe zu machen. Sie hatte die tolle Idee, wild mit Pampasgras zu wedeln - die fliegenden Samen sahen im Gegenlicht toll aus und sie hatte dabei mächtig Spaß!
Das Bild mit Kater Leo entstand dann aus der Situation heraus. Der neugierige rote Kater der Nachbarn kam während seiner Mäusejagd an uns vorbei und beobachtete uns mit typisch-kritischem Kater-Blick. Als Zelda dann anfing mit ihm zu spielen und ihn zur Jagd auf den Pampasgras-Wedel animierte, musste ich nur noch im richtigen Moment auf den Auslöser drücken!

8.Viele von uns besitzen eine Digitalkamera oder ein Smartphone – jeder kann zu jedem Zeitpunkt ein Bild machen. Brauchen wir den Beruf des Fotografs? Was halten Sie von dieser ständigen, ja wahllosen Knipserei?

Natürlich hat die Bilderflut mit der leichten Verfügbarkeit von Kameras massiv zugenommen. Und oft genug ist es so, dass Amateure mit einfacher Ausrüstung wundervolle Bilder machen können! Da verschwimmen schon manchmal die Grenzen und die Frage ist berechtigt, warum heutzutage noch Fotografen/innen gebraucht werden. Ich versuche es am Beispiel einer Hochzeit zu erklären: nur weil wir eine Schere zuhause haben, würden wir nicht unbedingt der Braut eine Brautfrisur zaubern können - man stelle sich die Verantwortung vor! Deshalb sind Paare leider schon oft enttäuscht worden, wenn sie einen “Verwandten mit guter Kamera” eine ganze Hochzeit fotografieren ließen. Natürlich kann das auch gut gehen! Aber ein professioneller Fotograf bringt dazu eine ganz andere Herangehensweise mit. Er/Sie hat Erfahrung, Ausrüstung, kann die Bildern nachbearbeiten und hat gute Ideen um das Brautpaar und die Gäste aufzulockern, schöne, kreative Paarbilder zu machen, Posing-Ideen und nicht zuletzt können die Gäste entspannen und den Tag genießen. In Kombination mit persönlichen Handy-Bildern der Gäste, Selfies, witzige Situationen, die Abseits vom Hauptgeschehen passiert sind, wird die Sache für das Hochzeitsalbum des Brautpaares rund!
Fotografie ist Kunst und deshalb brauchen wir immer Menschen, die sich intensiv damit auseinandersetzen, die diese immer wieder auf ein neues Level anheben, neue Trends und Maßstäbe setzen, kreativ sind und die Regeln brechen! Der Beruf der/des Fotografen/in wird immer wichtig sein - denn er hat unendlich viele Facetten, denken Sie an Fotojournalismus aus Kriegsgebieten, Naturfotografen, die uns die ganze Welt und auch die Probleme darin näher bringen oder Sternenkinderfotografen. Da ist es nicht verwunderlich, dass ein Beruf daraus wurde, der wie viele andere Berufe auch fair entlohnt werden muss und seine Daseins-Berechtigung hat.

Zur “Knipserei”:
In Zeiten von WhatsApp, Instagram und co. haben wir es so leicht und fühlen uns oft auch gedrängt, jeden Moment sofort mit vielen Menschen zu teilen. Das bringt uns einander näher, kann uns aber auch vom eigentlichen Moment entfernen. Kaum eine Veranstaltung in Schule und Kindergarten, in denen nicht Mamas und Papas die ganze Zeit mit dem Handy filmen und fotografieren. Ich kann mich da selbst auch nicht ganz ausnehmen - aber ich reflektiere und versuche mittlerweile öfter achtsam im Hier und Jetzt präsent zu bleiben und nur wenige Aufnahmen zu machen um das Geschehen nicht komplett durch eine Linse zu betrachten.

9.Was ist für Sie persönlich das beste, das perfekte Foto?

Es muss Emotionen wecken und mich neugierig machen, ich will Details erkunden und mich berührt fühlen. Das perfekte Foto schafft es, eine Stimmung in mir auszulösen, die vorher nicht da war und lässt mich in den Augenblick der Aufnahme eintauchen.

10.Was machen Sie mit dem Preis, mit den zwei Preisen? Profitiert ‚das Model‘ davon? Gibt es ein Leckerli für die Katze und den Hund (sind das Ihre Tiere?)?

Über die Preise habe nicht nur ich mich gefreut: meine große Tochter Zelda (auf beiden Bildern) darf sich einen lang gehegten Wunsch erfüllen, ich selbst werde in neues Equipment investieren und Kater Leo und Hündin Maya bekommen eine große Portion Leckerli (aber nicht alle auf einmal!).

Besten Dank fürs Gespräch und viel Erfolg beim Fotografieren!

Das Gespräch begleitete Aga Sauerwald/ Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde Lahntal