Der Arbeitskreis „Historisches Caldern“ des Fördervereines Caldern 2017 hat sich anläßlich der 1200-Jahrfeier des Dorfes Caldern zur Aufgabe gemacht, verschiedene Vorhaben zu gestalten, die die Zeiten überdauern und auch noch Jahre später an dieses seltene Ersterwähnunsjubiläum zu erinnern.

Die Idee, den ehemaligen Gerichtsplatz wiedererstehen zu lassen, gab es schon vor einiger Zeit innerhalb des Heimat- und Geschichtsvereins Lahntal. Sie konnte aus verschiedenen Gründen nicht verwirklicht werden. Dieses Unterfangen konnte nun durch den Arbeitskreis im Rahmen der Jahrhundertfeier umgesetzt werden. Die gesamten Kosten hierfür trägt der Heimat- und Geschichtsverein Lahntal. Für dieses großartige Sponsoring bedanken wir uns noch einmal.

Die Grundstücksfrage war von besondererer Bedeutung. Dank der Unterstützung der evangelischen Kirchengemeinde Caldern-Kernbach-Brungershausen konnte die historische Gerichtsstätte in unmittelbarer Nähe zur Nikolaikirche wieder errichtet werden. Der so gefundene Platz ist auch deshalb ideal, weil der historische Gerichtsplatz in unmittelbarer Nähe lag. Andere Grundstücke konnten einen historisch korrekten Wiederaufbau nicht gewährleisten.

Anläßlich der Einweihung des rekonstruierten Gerichtsplatzes führte Volker Heine, Voirsitzender des Arbeitskreises „Historisches Caldern“ aus:

"Mit der Wiedererrichtung des ehemaligen Gerichtsplatzes knüpfen wir an Höhepunkte unserer Dorfgeschichte an. Alte Pläne und Fotographien wurden hierbei berücksichtigt.

Caldern war im Mittelalter der Gerichtsvorort mit Gerichtsplatz und der Richtstätte, deren Lage durch den Flurnamen „Galgentrisch“ überliefert ist. Das Gericht ist 1237/38 erstmals genannt und könnte schon zur Zeit der Gisonen errichtet worden sein. Die Lage des Gerichtsplatzes an der Kreuzung zweier Regionalstraßen, die Gladenbach mit Wetter verbanden und die Burgenstädte Biedenkopf und Marburg. Außerdem tangierten die Altstraßen „Weinstraße“ und „Königstraße“ den Gerichtsbezirk Caldern.

Auch der Lahnübergang in Kernbach, der später zum Brückerhof verlegt wurde, befand sich innerhalb der Gerichtsgrenzen. Gerichtsrechte waren ein Machtinstrument, mit dem Herrschaft durchgesetzt wurde. Gerichte sorgten für Recht und Ordnung sowie für die Sicherheit auf den Landstraßen entsprechend den damaligen Rechtsvorstellungen. Somit kam den Gerichtsvororten eine erhöhte Bedeutung zu. Caldern war auch zeitweiliger Verwaltungsmittelpunkt der landgräflichen Besitzungen in Oberhessen, bevor Marburg dies wurde. Dann kann man auch die Aussage von Dr. Willi Görich, dem ehemaligen Leiter des Landesamtes für Hess. Landesgeschichte, nachvollziehen, daß auf dem späteren Klostergelände eine Burganlage gestanden habe. Die Flurnamen „Pfahltor“ und „Portacker“ deuten auf weitere Befestigungen hin."