Ein neues Feuerwehrhaus für Caldern

Die Gemeindevertretung Lahntal hat in ihrer Sitzung am 19. September 2018 folgenden Grundsatzbeschluss zum Bau eines Feuerwehrhauses für Caldern gefasst:

Die Gemeindevertretung der Gemeinde Lahntal nimmt von der nachstehenden Sachdarstellung Kenntnis und beschließt, den Gemeindevorstand der Gemeinde Lahntal zu beauftragen, die Realisierung des Vorhabens am Standort „Pfahltor“ weiterzuverfolgen, die notwendigen Kosten mit dem Haushalt 2019 bereitzustellen, die Umsetzung weiter vorzubereiten (Untersuchung auf Kampfmittel, Vermessung, Einreichen des Bauantrages) und mit der Umsetzung des Vorhabens
nach Eingang des Förderbescheides unverzüglich zu beginnen.

Begründung des Beschlusses durch den Gemeindevorstand:

Die Gemeindevertretung der Gemeinde Lahntal hatte in ihrer Sitzung am 25. April 2018 sowohl den Aufstellungsbeschluss für die Ergänzungssatzung für den Bereich „Pfahltor“, Lahntal-Caldern als auch den Ankauf der entsprechenden Fläche beschlossen, um damit den Weg für den Bau eines Feuerwehrhauses für Lahntal-Caldern freizumachen.

Am 29. August 2018 ist es zum Abschluss des entsprechenden Kaufvertrages gekommen; am 31. August 2018 konnte die Gemeindeverwaltung den vollständigen Förderantrag für das Feuerwehrhaus Caldern dem Kreisbrandinspektor Schäfer rechtzeitig vorlegen.

Trotzdem mit dem Vertragsabschluss und der Abgabe des Förderantrages die Voraussetzungen für den Bau des Feuerwehrhauses Caldern grundsätzlich gegeben sind, kann die Gemeindevertretung der Gemeinde Lahntal weiterhin entscheiden, ob sie das Vorhaben aufgeben will. Für diesen Fall hat der Gemeindevorstand der Gemeinde Lahntal Vorkehrungen getroffen.

Sachdarstellung:

Auszug aus dem „Antrag auf Gewährung einer Zuwendung des Landes Hessen zur Förderung des Brandschutzes“:

Feuerwehr Lahntal

Gemäß den Festschreibungen des aktuellen Feuerwehrbedarfs- und Entwicklungsplanes der Gemeinde Lahntal sind folgende Freiwilligen Feuerwehren eingerichtet:

  • Feuerwehr Goßfelden
  • Feuerwehr Sarnau | Göttingen
  • Feuerwehr Sterzhausen
  • Feuerwehr Caldern

Die Feuerwehren Goßfelden und Sarnau | Göttingen sind im Lahntaler Ortsteil Goßfelden angesiedelt. Hierfür wurden im Jahr 2008 ebenfalls Fördermittel beantragt und bewilligt. In dem Haus wurden seinerzeit drei Wehren zu zwei Wehren vereinigt und beide wurden in einem gemeinsamen Gerätehaus untergebracht. Momentan sind an diesem Standort 40 Feuerwehrleute aktiv (37 männlich/ 3 weiblich). Hier ist zudem eine Jugendfeuerwehr mit derzeit 18 Jungen und Mädchen angesiedelt. Außerdem befinden sich hier auch wichtige Funktionsräume, die von allen Lahntaler Wehren genutzt werden (Kleiderkammer, Waschhalle, Lagerraum, Übungsturm, Örtlich Technische Einsatzleitung).

Die Feuerwehr Sterzhausen besteht derzeit aus 28 Feuerwehrkameraden in der Einsatzabteilung (25 Männer und 3 Frauen). In der Jugendfeuerwehr sind 8 Jungen und Mädchen aktiv.

Die Feuerwehr Caldern besteht aus insgesamt 36 aktiven Feuerwehrleuten (33 Männer und 3 Frauen). Elf Jungen und Mädchen beteiligen sich Stand heute aktiv an der Jugendfeuerwehr.

Handlungsbedarfe Feuerwehrhäuser

Bei den beiden Häusern in Lahntal-Sterzhausen und Lahntal-Caldern bestehen gemäß der Berichte vom Technischen Prüfdienst Hessen dringende Handlungsbedarfe. Die Häuser wurden im Auftrag des Landes Hessen und der Unfallkasse Hessen im letzten Jahr begangen.

Seit Vorliegen der Berichte haben zusätzliche Gespräche unter Beteiligung der Unfallkasse Hessen und des Kreisbrandinspektors des Landkreises Marburg-Biedenkopf stattgefunden.

Als wesentliche Mängel an den Gebäuden wurde festgestellt:

  • In beiden Häusern sind die Stellplatzgrößen nach DIN 14092 nicht ausreichend.
  • Keine Trennung der Schwarz/Weiß-Bereiche. Keine räumliche Trennung zur Fahrzeughalle.
  • Keine Geschlechtsgetrennte Umkleidemöglichkeit.
  • An beiden Standorten fehlt eine Abgasabsaugung.
  • Keine Notstromeinspeisung vorhanden.
  • Zur Verfügung stehende Parkplätze für die Einsatzkräfte sind nicht ausreichend.

Bezüglich der Schwarz/Weiß-Trennung konnte an beiden Standorten jedoch zwischenzeitlich eine Übergangslösung geschaffen werden. In Sterzhausen wurde eine Containeranlage aufgestellt, in Caldern wurde der Schulungsraum aufgegeben und zur Umkleide eingerichtet. Die Schulungen finden vorübergehend somit im direkt angrenzenden Dorfgemeinschaftshaus statt.

Alle Übergangslösungen stellen jedoch an beiden Standorten keine dauerhafte Lösung dar.

Auch weitere wesentliche Anforderungen zur Änderung der Stellplatzgrößen für die Feuerwehrfahrzeuge oder der Anzahl ausreichender Parkplätze für die Einsatzkräfte sind aufgrund der vorhandenen örtlichen Gegebenheiten nicht realisierbar.

Aus diesem Grund hat sich die Gemeinde Lahntal dazu entschieden, für beide Wehren eine möglichst adäquate Lösung zu finden. Es wurde dabei von Beginn an angestrebt, dass zumindest ein Antrag auf Förderung noch im Jahr 2018 gestellt werden soll.

Standortsuche

Durch die Feuerwehr selbst wurde eine sehr umfangreiche Standortuntersuchung verschiedener grundsätzlich denkbarer Grundstücke erstellt. Hierbei wurde auch betrachtet, ob es ggf. möglich ist, einen gemeinsamen Standort zu realisieren um zukünftig eben auch lediglich ein gemeinsames Feuerwehrhaus errichten und betreiben zu müssen. Diese Möglichkeit hat sich jedoch aufgrund der Untersuchung als leider nicht denkbar erwiesen.

Fortan wurden dann mit verschiedenen Grundstückseigentümern beider Ortsteile Verhandlungen zum Erwerb aufgenommen. Dabei zeichnete sich ab, dass zunächst ein neues Feuerwehrgerätehaus für den Ortsteil Lahntal-Caldern mit größerer Wahrscheinlichkeit zu realisieren wäre. Leider ist es auch hier erst sehr kurzfristig vor Abgabetermin gelungen, den abschließenden Kaufvertrag zu schließen.

Planungsbüro

Parallel dazu wurde über ein Interessenbekundungsverfahren ein Planungsbüro gesucht, damit die notwendigen Architekturleistungen für einen Fördermittelantrag erbracht werden konnten. Der Auftrag hierzu wurde Anfang Mai 2018 vergeben.

Trotz des umfangreichen Planungsaufwandes und der Schwierigkeiten zu Sicherung eines Grundstückes konnten für den Ortsteil Caldern alle notwendigen Unterlagen für einen Förderantrag erarbeitet werden. Zudem wurde der Gebäude- und Freiflächenentwurf im Hinblick auf das Raumprogramm (Dimensionierung und Anordnung der Funktionsbeziehungen) im Vorfeld mit der Unfallkasse Hessen abgestimmt.

Ergänzende Informationen:

Alternative Standorte

Zum Grundstück im Bereich „Kohlkaute“ gibt es aktuell im Ortsteil Caldern folgende Alternativen:

Grundstück der Philipps-Universität Marburg

Die Gemeinde Lahntal ist an die Philipps-Universität herangetreten, um noch vor Abgabe des Förderantrages die Grundstücke im Bereich des Küsterhauses in Caldern für die Gemeinde Lahntal zu sichern, um eine Alternative zum vorgenannten Grundstück zu sichern. Vorausgegangen war, dass die Philipps-Universität erst Ende Mai 2018 sich überhaupt zum Verkauf gemeldet hatte und da erst ein Kaufpreis verhandelt werden konnte.

Alternativ ist die Gemeinde Lahntal auch an dem Ankauf interessiert, um durch die Verwertung dieser Grundstück Einnahmen erzielen zu können, die zur Deckung der Kosten des Feuerwehrhauses herangezogen werden können.

Inzwischen erscheint der Ankauf dieses Grundstücks für beide vorgenannten Ziele möglich. Die Universität hat inzwischen mitgeteilt, dass der Verkauf pachtfrei erfolgen kann. Trotz wiederholter Anläufe seitens der Gemeinde Lahntal ist es bislang nicht zum Abschluss eines Kaufvertrages gekommen (Stand 04.01.2019).

Grundstück in der Mühlenstraße

Die Verhandlungen mit der Eigentümerin hat die Gemeinde Lahntal Ende April 2018 beendet, weil ihr eine Einigung unwahrscheinlich erschien. Die Gründe liegen nicht so im Verkaufspreis für das Grundstück Mühlenstraße sondern in Erwartungen der Verkäuferin hinsichtlich eines Baugebietes als Ersatz für das Grundstück und der Vorbedingung, erst nach dessen Realisierung der Gemeinde Lahntal das Grundstück in der Mühlenstraße zu verkaufen. Letzteres hätte den Förderantrag verhindert.

Darüber hinaus ist zu bedenken, das das 5000qm große Grundstück der Eigentümerin im Mittel um 1 – 2 Meter aufzufüllen. Auch hierfür würden Kosten entstehen, wenngleich diese in der Gesamthöhe nicht die Kosten von den Erdbaumaßnahmen auf dem Grundstück „Kohlkaute“ erreichen.

Weitere untersuchte Standorte für ein Feuerwehrhaus Caldern:

  • Festplatz Caldern (zu klein)
  • Reifenlager (bei Hochwasser nicht erreichbar, kurzfristig nicht zu erwerben)
  • Reifenlager mit Anhebung der Landesstraße (nicht vor 5 – 10 Jahren zu realisieren)
  • Lahnaue bei Rettungswache (nicht genehmigungsfähig, da innerhalb HQ100 und HQ200-Bereich)
  • Kreuzungsbereich B62 (Gemeinsamer Standort mit FW Sterzhausen: 10-Minuten-Hilfsfrist nicht einzuhalten).

Voraussichtliche Kosten

Die Kostenschätzung basiert auf Berechnungen des Büros apd architektur+ingenieurbüro frankfurt vom 17.08.2018.

Position Kostengruppe Bezeichnung netto Euro brutto Euro
1 100 Grundstück 190.000 € 190.000 €
2 200 Herrichten und Erschließen 12.000 € 14.300 €
3 300 Baukonstruktion 1.332.100 € 1.585.200 €
4 400 Haustechnik 340.000 € 404.600 €
5 500 Außenanlagen 701.300 € 834.500 €
6 600 Ausstattung und Kunstwerke 80.600 € 95.000 €
7 700 Baunebenkosten 500.000 € 702.100 €
8 Aufschlag Unvorhergesehens 382.700 €
9 Summe 4.209.300 €

Die Werte der Kostengruppen 200 bis 700 entstammen der Kostenberechnung des Büros apd architektur+ingenieurbüro frankfurt/main vom 17.08.2018.

Finanzierung:

Vor einer abschließenden Entscheidung ist noch zu erwägen, so genannte „KIP“-Mittel einzusetzen, die für Straßenbaumaßnahmen derzeit vorgesehen sind. Die Durchführung der Straßenbaumaßnahmen ist derzeit nicht gesichert, so dass diese Mittel für dieses Projekt herangezogen werden können und dadurch zur Reduzierung von Eigen- bzw. Kreditmittel genutzt werden können.

Bezeichnung brutto Euro
Eigenmittel 1.000.000 €
Kreditmittel 1.677.600 €
Landesuwendung 212.700 €
Mittel aus Hessenkasse 1.319.000 €
Summe 4.209.300 €

Vor einer abschließenden Entscheidung ist noch zu erwägen, so genannte „KIP“-Mittel einzusetzen, die für Straßenbaumaßnahmen derzeit vorgesehen sind. Die Durchführung der Straßenbaumaßnahmen ist derzeit nicht gesichert, so dass diese Mittel für dieses Projekt herangezogen werden können und dadurch zur Reduzierung von Eigen- bzw. Kreditmittel genutzt werden können.

Aktualisierungsstand: 04.01.2019 | Manfred Apell