48. KW | Es geht nicht nur um die Bienen

Liebe Mitbürgerin, lieber Mitbürger,

der Michelbacher Kindergarten hat der Gemeinde am 1. November ein Insektenhotel gestiftet, das jetzt am Radweg bei Sterzhausen steht. Diesen Ort haben wir gewählt, weil am Radweg viele Obstbäume stehen und unsere Landwirte auf den Ackerflächen rundum jedes Jahr Blühstreifen anlegen. Denn anders als der Name „Hotel“ vielleicht vermuten lässt, sollen die Insekten dort nicht nur übernachten, sondern nisten und ihre Brut auch versorgen können.

Jetzt könnten Sie sich fragen: Warum brauchen unsere Insekten denn Nisthilfen oder besondere Blühstreifen? Früher gab es das doch auch nicht.

Aber leider hat es in den letzten Jahrzehnten eine erschreckende Entwicklung gegeben: Nicht nur die Anzahl der Insektenarten gehen zurück, auch andere Tier- und Pflanzenarten sind gefährdet. Das sind Zeichen dafür, dass die biologische Vielfalt – also die Vielfalt von Lebensräumen, Pflanzen- und Tierarten – sich vermindert. Die Ursachen dafür sind zahlreich: Flüsse und Bäche wurden begradigt, Hecken und Feldgehölze entfernt, unerwünschte Kräuter auf den Äckern werden in der Regel weggespritzt, Straßen zerschneiden Lebensräume, artenreiche Vorgärten werden immer weniger, und ähnliches mehr.

Ein intakter Naturhaushalt ist kaum noch gegeben. Dieser ist aber nicht nur für die Tier- und Pflanzenwelt notwendig, sondern letztendlich auch für uns Menschen. Denn auch wir brauchen sauberes Trinkwasser, saubere Luft und fruchtbare Böden.

Das Aufstellen von Nisthilfen oder die Anlage von Blühstreifen sind in diesem Zusammenhang kleine Maßnahmen, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Die biologische Vielfalt zu erhalten, ist auch ein gemeindliches Ziel.

Geschehen ist bisher einiges: Es wurden erste Blumenwiesen angelegt und die Gemeinde unterstützt die ehrenamtliche Bekämpfung invasiver Arten wie beispielsweise des japanischen Knöterichs. Auf den Einsatz von Pestiziden wird auf kommunalen Flächen bereits seit mehreren Jahren völlig verzichtet.

Weitere Maßnahmen sollen folgen. Beispielsweise sind die Verwendung von bienen- oder insektenfreundlichen Pflanzen im öffentlichen Raum, das Anpflanzen von Bäumen und Hecken und weniger Grasschnitt in geeigneten Bereichen fest im Programm.

Das ist nicht viel, aber ein Anfang. Vielleicht machen Sie in Ihrem Bereich auch mit. Wie Sie wissen, beginnen alle großen Vorhaben mit kleinen Schritten.

Herzlichst

Ihr

Manfred Apell