Hochwasserschutz allgemein | Überprüfung der Ortslagen

Im ersten Halbjahr 2016 sind weite Teile unser Republik von starken Hochwässern mit erheblichen Schäden für die Bevölkerung und teilweise leider auch mit Toten zu beklagen.

Die Hochwasserereignisse nehmen inzwischen erheblich zu. Fachleute führen dies auch auf die Klimaerwärmung zurück.

Die Gemeinde Lahntal hat in den zurückliegenden Jahren mit der Sanierung der Deiche zwischen Goßfelden und Sarnau, dem Furkationsprojekt zwischen Caldern und Sterzhausen und Gewässerrenaturierungen am Erlenbach in Caldern, dem Steingraben in Sterzhausen, dem Rodenbach in Goßfelden und weiteren einzelnen Maßnahmen erhebliche – auch finanzielle – Anstrengungen unternommen, einen größeren Schutz vor Hochwässern für unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger zu erreichen.

Auf diesem Hintergrund hat die Gemeindevertretung der Gemeinde Lahntal in ihrer Sitzung am 7. Juni 2016 folgenden Beschluss gefasst:

„Die Gemeindevertretung Lahntal beschließt die Ortslagen Lahntals auf Defizite im Hochwasserschutz überprüfen zu lassen. Vorerst ist dazu durch den Gemeindevorstand der Gemeinde Lahntal der erforderliche Finanzbedarf zu ermitteln.“

Nach Abstimmung mit der Oberen Wasserbehörde beim Regierungspräsidium Gießen folgendes Vorgehen vereinbart:

  1. Für jeden Ortsteil werden als Auszug aus dem aktuellen Kataster die Bebauung und die Gewässer des Ortsteils erfasst. Verrohrungen und Einlaufbauwerke werden kenntlich gemacht.
  2. Für jeden Ortsteil wird eine Begehung nach dem Muster der amtlichen Deich- und Gewässerschauen mit der Unteren Wasserbehörde beim Landkreis Marburg-Biedenkopf terminlich vereinbart und durchgeführt. Zur kommunale Gewässerbegehung werden die Wasserwehr (Feuerwehr), der Zweckverband Kommunale Bauhof Cölbe | Lahntal | Wetter (Hessen) und die zuständigen Ortsvorsteher eingeladen; die Obere Wasserbehörde beim Regierungspräsidium Gießen wird in Kenntnis gesetzt, die Teilnahme ist ihr freigestellt.
  3. Über die Begehung ist ein Protokoll zu führen, das zu folgenden Sachverhalten Aussagen festhält:
  • Gibt es hydraulische Zwangspunkte / Schwerpunktstrecken?Identifizierung von Schwachstellen, z.B.  Ausbruchsstellen bei niedrigem Ufer, unzureichender Querschnitt, Versagen unterbemessener Hochwasserschutzeinrichtungen u. a.. Wie können diese beseitigt werden?
  • Bewertung der Gefahr von Verklausungen an Bauwerken infolge Treibgut.Wie können diese vermieden werden? Z.B. Einbau von Totholzfänger oberhalb Ortslagen, geeignete Rechen an Einlaufbauwerken.
  • Gefahr des Eintrages von Fremdstoffen (Grasschnitt, Kompost, Müll, Ablagerungen etc.) in die Gewässer
  • Wie ist die Geschiebebewegung im Einzugsgebiet und in den Ortslagen?Akkumulation / Erosion?
  • Zustandsbeschreibung und Bewertung der Einlaufbereiche von Verrohrungen.
  • Wie verläuft der Hochwasserabfluss bei hydraulischen Überlastungszuständen? (Wie fließt das Wasser durch den Ort?)
  • Abschätzung möglichen Gefährdungen in den Ortslagen für verschiedene Hochwasserereignisse.Wie hoch sind die geschätzten Schadenspotentiale?
  • Welches Maßnahmenbündel ist geeignet die Hochwassergefahr in den Ortslagen zu mindern?Prioritätensetzung / Kostenplan
  • Mit welchen vorhaltenden Maßnahmen können die Auswirkungen bei Hochwasserereignissen vermindert werden (z.B. Aufstellung und Einweisung der Wasserwehren, Lagern von Absperreinrichtungen gegen Wassereindrang (Sandsäcke, Folien, Balken, Tafeln etc.), Logistik, Bereitstellung Verkehrsleiteinrichtungen, Schilder, Sperren, Aufstellung eines kommunalen Melde-/Aktionsplan,  Aufklärung der betroffenen Grundstückseigentümer oder -nutzer mit dem Ziel der schadensvorbeugenden Nutzung der gefährdeten Bereiche, für Selbstschutz/Objektschutz sensibilisieren, Öffentlichkeitsarbeit u.v.m)
  • Aufstellung eines Unterhaltungsplan (u.a. Festlegung von zyklischen Arbeiten zur Sicherstellung des Hochwasserabflusses, Gehölzpflege, regelmäßige Gewässerschauen)
  • Wie ist die Hochwassergefährdung in den Siedlungsgebieten zu bewerten (Gefährdungseinschätzung)?

Sofern nach dem zusammenfassenden Ergebnis der Begehung nach dem Urteil der Unteren Wasserbehörde insbesondere die Frage 3.11 weiter eine deutlich erhöhte Hochwassergefährdung für einen Ortsteil ergibt, ist nach Entscheidung des Gemeindevorstand der Gemeinde Lahntal ein Fachbüro mit der Erarbeitung eines Hochwasserschutzkonzeptes zu beauftragen (einschließlich vertiefende Untersuchungen)