Nahwärme

Ausbau des Nahwärmenetz in Lahntal

Gemeinsam mit den Stadtwerken Marburg hat die Gemeinde Lahntal die Neubaugebiete "Sprinkelwiesen" in Caldern, und "Auf dem Willem" und "Auf der Leimkaul" in Sterzhausen mit einem Nahwärmenetz ausgebaut. Zusätzlich wurde ein kleines Nahwärmenetz für den Bereich "Neue Mitte" und "Lahnfelshalle / Otto-Ubbelohde-Schule" in Goßfelden aufgebaut. Alle Nahwärmenetze werden über den nachwachsenden Rohstoff "Holz" als Energieträger betrieben (für Spitzenlast steht zusätzlich ein zweites System auf Heizöl- oder Gas-Basis zur Verfügung).

Konzept der Energieversorgung für die vorgenannten Neubaugebiete

Der Bau eines Hauses ist sicherlich ein ganz wichtiger Anlass um sich  mit Fragen des Klimaschutzes zu beschäftigen. Zwar werden wir in unseren Breiten nie ohne eine entsprechende Gebäudebeheizung auskommen, aber die hierfür erforderliche Energiemenge kann ganz wesentlich reduziert werden.

Die Energieeinsparungsverordnung hat hier durch entsprechende Richtlinien einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet. Aber auch der dann noch benötigte Heizwärmebedarf lässt sich wesentlich klimafreundlicher als durch den Einsatz von fossilen Energieträgern bereitstellen. Das Ziel einer quasi CO2-freien Wärmeversorgung für ein ganzes Neubaugebiet ist dennoch ein relativ hochgestecktes. Es alleine durch den Einsatz von Erneuerbaren Energien realisieren zu wollen, wäre nur mit sehr großen Solaranlagen und sehr aufwendiger Speichertechnik zu realisieren. Die damit  verbundenen Kosten sind für die Mehrzahl der Bauherrn deutlich zu hoch.

Aus diesem Grund hat die Gemeinde Lahntal gemeinsam mit den Stadtwerken Marburg GmbH für die vorgenannten Neubaugebiete eine Nahwärmeversorgung aufgebaut, deren Erzeugungsanlage im wesentlichen aus einem Holzpellet befeuerten Kessel besteht. Holzpellets werden zu 100 % aus Holz hergestellt. Beim Wachstum des Holzes wird genauso viel CO2-gebunden wie später bei der Verbrennung freigesetzt wird. Es handelt sich also um ein klimaneutralen CO2-Kreislauf. Aufgrund Ihrer aufwendigen Technik sind Holzpelletanlagen deutlich teuerer als konventionelle Öl- und Gasheizungen. Darüber hinaus beansprucht die Lagerung der Holzpellets ein nicht unerhebliches Kellervolumen, dass als Bausubstanz ebenfalls Kosten verursacht.

Das Ansinnen, den Einbau einer Pelletkesselanlage in jedem Gebäude vorzuschreiben, um dem Klimaschutz näher zu kommen, wäre also auch nur schwer zumutbar. Die Lösung hier ist, durch den Bau einer zentralen Erzeugungsanlage und des Nahwärmenetzes diese klimaneutrale Heiztechnik für jedes Gebäude zu vertretbaren Kosten und minimalen Aufwand für den Bauherren realisieren zu können.

Vorteile des Nahwärmekonzeptes

Durch das vorliegende Nahwärmekonzept ist es jedem Bauherrn möglich, bei gleichen Kosten wie für eine konventionelle Heizung, eine klimaneutrale Beheizung seines Gebäudes zu realisieren. Der Betrieb der Erzeugungsanlage erfolgt durch den Wärmelieferanten (die Stadtwerke Marburg GmbH), so dass sich der Bauherr, nicht wie sonst üblich mit Bau und Betrieb einer Heizungsanlage, der Beachtung der dazu gehörigen behördlichen Auflagen, Emissionsmessungen, usw. beschäftigen muss.

Zukünftige Problemstellungen sind anstehende Auflagen zum Betrieb von Feuerungsanlagen, Einbau von Staub- oder Rußfiltern, die Einbeziehung von Heizungsanlagen in den CO2-Handel, usw. Von all dem wird der Bauherr vollständig freigestellt sein. Umsetzung des Nahwärmeprojektes.

Die Nahwärmenetze sind inzwischenseit einigen Jahren im Betrieb. Das Nahwärmenetze münden in der Heizzentrale im Dorfgemeinschaftshauses Caldern bzw. des hauses am Wollenberg in Sterzhausen. 

Wärmepreise

Die Wärmeversorgung für Lahntal wird zu dem gleichen Wärmetarif, wie er in Marburg zur Anwendung kommt, abgerechnet. Aufgrund der vorliegenden Preisgleitformel ist sichergestellt, dass die Rahmenbedingungen, die zur Entscheidung für die Wärmeversorgung
geführt haben, langfristig erhalten bleiben.

Fördermöglichkeit

Bei der Wärmeversorgung über einen Holzpelletkessel wird ein zum Maximum an CO2-Minderungspotenial erreicht. Dies wird für den Bauherrn an zwei Stellen honoriert. Er ist verpflichtet ab dem 01.01.2009 mindestens 20% des Wärmebedarfs regenerativ zu erzeugen. Ein entsprechender Nachweis wird Bestandteil der Baugenehmigung. Beim Anschluss an das Nahwärmenetz erfolgt die Wärmeerzeugung zu 100 % regenerativ, so dass hier kein zusätzlicher Aufwand anfällt.

Darüber hinaus wird die Errichtung der energieeffizienter Gebäude durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) durch entsprechende Programme gefördert. Je höher die Energieeffizienz eines Gebäudes ist, desto günstiger fallen die hier gewährten Kredite aus.

Beim Anschluß an das über eine Pelletheizung versorgte Nahwärmenetz ist ohne zusätzlichen Aufwand die beste Einstufung erreicht. Die hier im Einzelnen geltenden Regelungen sollten aktuell bei der KfW nachgefragt werden.